Sage 6, Teil 2


Er rüttelt an der Haus- und Kellertür und am großen Hoftor ( siehe Foto). Dann verläßt er den Hof und geht langsam das Spiegelgässchen hoch zum Marktplatz.

Dort bleibt er stehen und wartet, bis einer nachts in der Geisterstunde vorbeikommt und springt diesem schnell auf den Rücken. Derjenige muss ihn mühsam den steilen Marktplatz hinaufschleppen bis zum Schloss am Obertor, dem einstigen Herrensitz der Ulner.

Bis der Träger ihn da rauf getragen hat, ist kein trockener Faden mehr an ihm. Sieht der Geist das alte Herrenhaus, so verschwindet er plötzlich. Dies muss der Hofbauer noch so lange tun, bis er seine Vergehen zu Lebzeiten gebüßt hat. So mancher, der nachts auf den Hofbauern getroffen ist und völlig nass geschwitzt zu Hause ankam, kann darüber erzählen.
Ein Tipp: Verhalte dich wie eines der Rittergespenster und folge ihrem Weg bis zur Grundelbachstraße. Das Foto zeigt einen früheren Stadtausgang mit einem kleinen unbewachten Tor, welches Diebe nutzten, um unbemerkt in die Stadt hinein und wieder heraus zu kommen.

Er hieß deshalb „ Diebsloch“ Heute gibt es oben am Marktplatz ein Lokal mit diesem Namen, vielleicht ist es dir bei deiner Suche aufgefallen)
Direkt vor dir fließt der Grundelbach, du kannst ihn nur nicht sehen , weil er unter der Straße liegt !

14. Weinsage von der Burgruine Windeck


Von der Burgruine Windeck erzählt man auch verschiedene Weinsagen. So sah man, sobald der Herbst kam, nachts Mönche, die im Keller aus – und eingingen. Jeder hatte einen Becher in der Hand und probierte den neuen Wein. Aber hörten sie auch nur ein Geräusch, waren sie verschwunden. Noch heute soll dort oben ein zweiter Keller vorhanden sein. Nach der Sage hatten 2 Brüder, die letzten Bewohner der Burg, den Keller vermauert. Dort soll ein Fass Wein mit besonders gutem Geschmack liegen. Da sie den Wein aus Geiz nicht tranken, müsste er immer noch dort sein, zumal die beiden Geizhälse bald darauf starben und sich bis heute nichts vom Wein und dem zweiten Keller gefunden hat. Wer allerdings den Keller und den Wein entdeckt, bekommt die Burg und alle umliegenden Weinberge, so sagt man. Manche machten sich schon mit Pickel und Schaufel an die Suche. Aber sie mussten alle aufgeben, weil sie von dem Weingeruch, der aus der Mauer strömte, völlig betrunken wurden und somit nicht weiter arbeiten konnten.

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13. Die Einweihung der Burg Windeck


Im Jahr 1130 war die zerstörte Burg Windeck wieder hergestellt und wurde eingeweiht. Der Bauherr, der mächtige Fürtsabt Diemo von Lorsch, wollte ein großes Fest feiern und verschickte deshalb zahlreiche Einladungen. Am Tag der Feier versammelten sich viele Menschen im Burghof. An der Spitze des Turmes stand ein kleines Tannenbäumchen, dessen bunte Stoffbänder lustig im Wind wehten. Als der Sohn des Baumeisters auf den Turm stieg, um den Zimmerspruch und den Segen für den wiederhergestellten Bau zu sprechen, wie es Brauch war, herrschte feierliche Stille. Plötzlich erhob sich ein heftiger Windstoß und der junge Mann dachte sich “Alle Bänder kannst du haben, nur das von meiner Braut nicht”. Kaum war er oben angekommen, erhob sich ein noch heftigerer Windstoß. Der junge Mann griff rasch nach seinem Band, verlor aber das Gleichgewicht und stürzte mit dem Bäumchen in die Tiefe, wo er zerschmettert liegen blieb. Die Gäste kehrten betroffen und still in die Stadt zurück, doch jedes Jahr an diesem Tag bewegt sich um Mitternacht ein Trauerzug den Schlossberg hinauf. An der Stelle des Unglücks bleibt er stehen. Dann tritt ein Mädchen aus der Versammlung heraus und in sein Klagen mischen sich die langgezogenen Glockentöne der ganzen Stadt. Beim ersten Hahnenschrei allerdings löst sich die Gesellschaft in Wolken auf.

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12. Der Burgschatz


Vor vielen Jahrhunderten, als die Burg Windeck als Korn-und Weinspeicher für das Kloster Lorsch diente, mussten die Bauern jedes Jahr ein Zehntel des Getreides, das sie übers Jahr geerntet hatten, als Zinsen zahlen. Der Kornspeicher wurde voller und voller, die Weinfässer in den Kellergewölben wurden immer mehr. Die Fürstäbte verkauften das Getreide und den Wein und sammelten Silber, Gold, Edelsteine und Perlen. Dieser Schatz wurde in einem Zimmer neben dem Turm aufbewahrt. In Kriegen wurde er im unterirdischen Burggang oder im Gefängnis versteckt, bis die Gefahr vorbei war. Später, so vor dreihundert Jahren, wurde die Windeck zerstört und der Schatz war verschwunden. Einige sagten, er sei immer noch im Gefängnis unter dem Turm vergraben. Da beschlossen drei Männer aus dem Gerberviertel, das Gefängnis zu untersuchen. Sie nahmen die entsprechende Ausrüstung mit und gingen hinauf zur Ruine. Dort ließen sie ein Seil in das Gefängnis hinunter und zwei kletterten hinab. Sie gruben, was das Zeug hielt und fanden schließlich Waffen, Speere, Spangen, Ringe und alles war aus Gold und Silber und mit Edelsteinen und Perlen besetzt. Sie kletterten aufgeregt wieder hinauf und teilten alles gerecht im Turmzimmer. Jetzt hatten sie Gold und konnten alles kaufen, was sie wollten. Einer von ihnen war auf dem Heimweg schon ungeduldig, griff in seine Hosentasche und zog einen mit Edelsteinen besetzten Fingerhut, den er heimlich beim Teilen eingesteckt hatte, heraus… doch – auf einmal – hielt er einen Kieselstein in der Hand. Er öffnete seinen Sack und fand auch dort nur Steine und verrrostete Waffen. Die anderen schauten auch nach und auch sie hatten kein Gold oder Silber mehr. Nachdem sich das herumgesprochen hatte, ging niemand mehr auf die Burgruine ,um den Schatz zu heben.

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11. Das Burgfräulein an der Burg Windeck


Vor langer Zeit lebte auf der Burg Windeck ein Ritter. Seine Frau war bei der Geburt eines Mädchens gestorben. Und deshalb ernährte die Frau eines Kriegers des Ritters, die zur gleichen Zeit ihr Kind, einen Sohn, drunten im Mühlheimer Tal großzog, das Mädchen mit. Das Mädchen wurde schnell groß und seine Schönheit war bald der ganze Stolz des Vaters. Dieses Mädchen wollte aber keinen Ritter heiraten, sie sagte immer alle Verabredungen ab. Sie hatte sich nämlich in den Sohn der Kriegsfrau verliebt. Als sie wieder einmal einen jungen wohlhabenden Ritter abwies, wollte der Vater mit der Tochter ein kleines Gespräch führen. Als er sie in ihrem Zimmer nicht fand, suchte er an ihrem Lieblingsplatz im Burggraben. Hier hörte er hinter einem Rosenbusch, wie der junge Mann aus dem Tal das Mädchen beschwor, von ihm zu lassen, da er in die Fremde ziehen wollte. Das Mädchen umarmte ihn aber und sagte:,, Dann sterbe ich lieber so”. Der Vater, der das gehört hatte, stürzte hinter dem Strauch hervor und erdolchte den jungen Mann. Von dieser Zeit an wurde das Mädchen krank und starb bald. Noch heute geht das Burgfräulein in stillen Nächten in weißer Kleidung den Burgpfad zu seinem Freund hinab ,um seine Mutter zu trösten und die Mitschuld an seinem Tod zu büßen.

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10.Beim Hexentanz

Gleiches Motiv, nur weiter oben!
Weshalb du auf diesem Foto nur den „Hexenflugplatz” siehst, kannst du in Sage 10 nachlesen.


Es ist der 30. April: wieder einmal steht die Walpurgisnacht bevor.Wie jedes Jahr reisen alle Hexen der Umgebung zum Hexentreffen auf den Geiersberg. Die Hexen aus dem Weinheimer Hexenturm tragen bunten Fasanenfedern auf dem Kopf, haben Männerhosen an, am Rücken ihrer Kittel hängen lange, braungelbe Kalbsschwänze und sie sitzen auf einem Hexenbesen. Um elf Uhr nachts fliegen sie alle auf ihren Besen den Katzenlauf hinauf(den du nachher gehst, wenn du in den Schlosspark willst) und am Räuberschlappen vorbei auf den Geiersberg, wo sie die Hexen aus Hemsbach, Leutershausen, Schriesheim, Ladenburg, Heidelberg und den anderen Orten treffen. Oben am Geiersberger Kopf steht schon der echte Teufel auf einem großen Granitfelsen. In seiner Hand hält er einen Zauberstab. Wenn er diesen hebt, beginnt die Walpurgisnacht: Die Hexen tanzen, die hässlichste führt einen Polkatanz an. Der Teufel springt währenddessen von einem Bein auf das andere und wirft seinen Zauberstab in die Luft. Sobald aber die nächste Turmuhr Mitternacht schlägt, rasen die Hexen und der Teufel fort und der Geiersberg ist wieder leer und ruhig. Auch im nächsten Jahr in der ersten Mainacht wird wieder Hexentreffen sein. Achte mal drauf !

Herzlichen Glückwunsch ! Einen schönen Tag!

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9. Die Jungfrauen auf dem Hexenturm

Alle Achtung! Gut gemacht!
Dieser über 800 Jahre alte Turm , der „Hexenturm“ genannt wird, hat, wie du siehst keinen Eingang, aber einen kleinen Balkon, der eigentlich ein Hexenflugplatz ist…doch dazu später !


Rechts neben dem Hexenturm, der an der Weinheimer Stadtmauer steht, hatte der Steinmetz Jörgmichel Gräber seine Werkstatt. An einem Tag machte er einen schönen Grabstein für einen verstorbenen Bauern. Der Stein musste am nächsten Tag abgeliefert werden. So musste der Steinmetz die ganze Nacht durch arbeiten. Er musste sich eine Öllampe anzünden (elektrisches Licht gab es noch nicht) um etwas sehen zu können. Er meißelte gerade an dem Grabstein, als dieser plötzlich von dem Arbeitsgerüst auf den Boden fiel und die Öllampe ausging. Der Steinmetz sah draußen einen Mann mit Kutte. Er stand an der Grundelbach „bei der alten Schließ“, (gegenüber des Hauses also),dort zeigte er auf den Hexenturm, auf weiß gekleidete Mädchen. Diese riefen: „Komm herauf und lass uns runter“, dabei winkten sie und riefen noch: „Bitte, Bitte“ Von ihnen ging ein heller Schein aus, der die Werkstatt des Meisters erleuchtete. Er holte eine große Leiter aus der Ecke, legte sie an den Hexenturm und kletterte hinauf. Als er mehrere Sprossen hinaufgestiegen war, huschte eine schwarze Katze durch seine Beinen hindurch. Der Steinmetz fiel die Leiter hinunter. Er fluchte: „Himmelfeiersakrament! Is des e Lumpevieh! Schmeißt die mei’ Leiter um!“( mal wieder kurpfälzisch) Als er auf den Hexenturm hinauf blickte, sah er keine Mädchen mehr. Am nächsten Morgen lag der Grabstein wieder auf dem Tisch! Komisch, oder ?

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8. Der treulose Ritter vom Bohnschen Hof

Ein Tipp, um das nächste Foto zu finden: Folge der Grundelbachstraße Richtung Stadt. Auf einer großen Wandfläche sieht Du einige riesige Fotos von früher…. Dreh dich um… Na, gefunden ?


Das Tor gehört zur Untermühle, gegenüber, wo du den Supermarkt und die Einfahrt für LKWs siehst, stand früher das Haus der von Bohn. Weshalb hier manchmal in der Geisterstunde ein schwarzer Ritter auf seinem Pferd gesehen wird, erfährst du in Sage 8.

Früher wohnte in Weinheim, im Steinwegviertel, der heutigen Hauptstraße, die damals mit Steinen gepflastert war, ein kleines Mädchen namens Elsa von Bohn. Ihr großer väterlicher Hof lag unten an der Grundelbach gegenüber der Untermühle. Dort saß Elsa oft bei der alten Müllerin neben dem Ofen und lauschte den schönen Geschichten der alten Frau. Sie schaute zu, wie die Mühlsteine das Korn zu weißem Mehl mahlten oder sie besuchte ihren jungen Freund Fritz, den Sohn des Müllers. Elsa und Fritz wuchsen miteinander auf. Fritz sollte später einmal die Mühle erben und hätte dann eine nette Nachbarin gehabt, nämlich die Elsa. Der Herr von Bohn sah das aber nicht gerne, dass seine Tochter zu den Müllersleuten ging, denn er war ein stolzer und reicher Mann. Eines Tages kam ein vornehmer Ritter namens Anselm. Dieser Ritter war wohl sehr arm, aber ebenso eingebildet. Er kam einmal in der Woche zum Bohnschen Hof und wurde dort sehr freundlich begrüßt. Als das Edelfräulein achtzehn Jahre alt war, wurde es mit ihm verlobt. Fritz, der junge Müller, heiratete bald darauf eine reiche Gerberstochter aus der Lohgasse. Kurz darauf kam eine reiche Ritterswitwe an den Heidelberger Hof, wo sich Anselm meist aufhielt. Sie entführte den jungen Ritter auf ihr Schloss im Neckartal und er kehrte nie mehr zurück. Elsa wurde nun still und weltfremd und heiratete nie. Als ihre Eltern gestorben waren, lebte sie an der Grundelbach auf dem väterlichen Gut. In den Sommermonaten holte sie ein paar Müllerskinder herüber und spielte mit ihnen. Als sie verstarb, erschien ein schwarzer Ritter auf dem Gelände. Er ritt hier unruhig herum und suchte seine einstige Verlobte, die er verlassen hatte. Als die Turmuhr Mitternacht schlug, stieg das wilde Pferd des schwarzen Ritters senkrecht auf und Pferd und Reiter waren plötzlich verschwunden. Zur Strafe für seine Untreue findet der Ritter im Grab keine Ruhe und muss bis heute immer wieder erscheinen.


Ein Tipp: Nun musst du in die entgegengesetzte Richtung laufen, am „Diebsloch“ vorbei und weiter…dann siehst du ihn schon rechts an der Straße ( diesen Weg kam übrigens Heiner aus Sage 7)

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7. Das weiße Fräulein am Diebsloch


Es war einmal ein Müllersknecht namens Heiner, der in der Obermühle am Kotscherbrunnen (Grundelbachstraße Richtung Waldschwimmbad) im Dienst war. An einem stürmischen Abend im Oktober schüttete er frisches Getreide in seine Mühle und überprüfte den Lauf des Wasserrades. Er schloss die Tür der Mühle ab, ging die steinerne Brücke hinauf und auf dem schmalen Weg der Stadtmauer entlang zur Untermühle, die gegenüber der “Schweiz” lag. Dort wollte er seine geliebte Bärbel besuchen. So ging er auch an den beiden Hexentürmen vorbei ( heute steht nur noch einer, doch dazu später). Der Mond stand am Himmel und leuchtete ihm auf dem unheimlichen Weg. Dort an der Hauptschwelle, wo das Wasser gestaut wurde, stand er einen Moment still und besah das Spiegelbild der beiden Türme. So ging er weiter bis zu dem kleinen Stadttor, das “Diebsloch” genannt wurde.Er suchte das Brücklein ,das über die Grundelbach führte, als er plötzlich mitten im Bach einen großen Stein sah. Auf ihm saß ein weiß gekleidete Mädchen mit langen schwarzen Haaren. Heiner blieb stehen und schaute das schöne Mädchen an. Es rief ihm winkend zu :”Komm herunter zu mir und leiste mir Gesellschaft. Ich muss dir was erzählen”. Heiner dachte jetzt nicht mehr an seine Bärbel in der Mühle, die auf ihn wartete. Er rutschte den nassen Abhang hinunter, sprang auf den nächsten Stein und wollte zu dem Mädchen. Es saß ruhig da, doch plötzlich schlug am Marktplatz die Rathausuhr Mitternacht. Das Mädchen sprang erschreckt auf und schrie: “O weh, meine arme Seele”. Damit war der Spuk zu Ende und das Mädchen verschwunden. Seiner Bärbel hat er dann nicht davon erzählt!

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6. Der Ulnersche Hofbauer


In Weinheim war Herbst, das heißt, die Trauben wurden geerntet. Der Ortsdiener hatte mit der Gemeindeglocke bekannt gegeben, dass am Gallustag (16. Oktober) der “Rotherbst”, also das Herbsten, das Ernten der reifen Trauben in der Weinheimer Gemarkung beginne. Die Weinbauern aus der Vorstadt und der Hintergasse (der heutigen Nordstadt ) richteten ihre Sachen und bereiteten alles vor : ihre Weinfässer und alle möglichen Gefäße, um die Trauben zu sammeln und in die Stadt zu transportieren. Dann schnitten sie an den Rebhängen die Trauben ab.Die Männer wiederum trugen die Bütten( so hießen die Holzgefäße) auf dem Rücken die steilen Wingertspfade hinab zu den Zubern ( den großen Sammelbehältern). In den Bauernhöfen wurden die dicken vollen Trauben dann gestampft, bis der Traubensaft fertig war. Am Abend lagerten die Weinbauern dann den Most in ihren Scheunen. Danach wurde fröhlich gefeiert. Der Hofbauer, der Verwalter also des Ulnerschen Hofgutes ,war an diesen Tagen auch dabei und hatte auch gute Laune. Denn Tage zuvor hatte er die schönsten Trauben schon heimlich vorgelesen und für sich gekeltert. So hatte er seinen Chef, den Herrn von Ulner, schon viele Jahre um viel Wein betrogen und sich selbst so einiges dazu verdient, denn diesen Diebstahl betrieb er jeden Herbst. An einem kalten Wintertag starb er, der Hofbauer, aber Ruhe fand er im Grab nicht. Jedes Jahr zur Herbstzeit, wenn der Traubenmost in den Kellern liegt, erscheint er nachts in seinem Sonntagsgewand:er trägt seinen langen schwarzblauen Mantel, sein weißes Leinenhemd mit schwarzseidenem Halstuch, den Dreimaster hat er auf dem Kopf und in der Hand trägt er einen Rohrstock. So ging er schon zu Lebzeiten bei der Kerwe durch das Gerberbachviertel zum Jahrmarkt hinauf auf den Marktplatz. Nun wandert er im Ulnerschen Hofgut in der Münzgasse auf und ab. Er rüttelt an der Haus- und Kellertür und am großen Hoftor ( siehe Foto). Dann verläßt er den Hof und geht langsam das Spiegelgässchen hoch zum Marktplatz. Dort bleibt er stehen und wartet, bis einer nachts in der Geisterstunde vorbeikommt und springt diesem schnell auf den Rücken. Derjenige muss ihn mühsam den steilen Marktplatz hinaufschleppen bis zum Schloss am Obertor, dem einstigen Herrensitz der Ulner. Bis der Träger ihn da rauf getragen hat, ist kein trockener Faden mehr an ihm. Sieht der Geist das alte Herrenhaus, so verschwindet er plötzlich. Dies muss der Hofbauer noch so lange tun, bis er seine Vergehen zu Lebzeiten gebüßt hat. So mancher, der nachts auf den Hofbauern getroffen ist und völlig nass geschwitzt zu Hause ankam, kann darüber erzählen.

Ein Tipp: Verhalte dich wie eines der Rittergespenster und folge ihrem Weg bis zur Grundelbachstraße. Das Foto zeigt einen früheren Stadtausgang mit einem kleinen unbewachten Tor, welches Diebe nutzten, um unbemerkt in die Stadt hinein und wieder heraus zu kommen. Er hieß deshalb „ Diebsloch“ Heute gibt es oben am Marktplatz ein Lokal mit diesem Namen, vielleicht ist es dir bei deiner Suche aufgefallen) Direkt vor dir fließt der Grundelbach, du kannst ihn nur nicht sehen , weil er unter der Straße liegt !

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