7. Das weiße Fräulein am Diebsloch


Es war einmal ein Müllersknecht namens Heiner, der in der Obermühle am Kotscherbrunnen (Grundelbachstraße Richtung Waldschwimmbad) im Dienst war. An einem stürmischen Abend im Oktober schüttete er frisches Getreide in seine Mühle und überprüfte den Lauf des Wasserrades. Er schloss die Tür der Mühle ab, ging die steinerne Brücke hinauf und auf dem schmalen Weg der Stadtmauer entlang zur Untermühle, die gegenüber der “Schweiz” lag. Dort wollte er seine geliebte Bärbel besuchen. So ging er auch an den beiden Hexentürmen vorbei ( heute steht nur noch einer, doch dazu später). Der Mond stand am Himmel und leuchtete ihm auf dem unheimlichen Weg. Dort an der Hauptschwelle, wo das Wasser gestaut wurde, stand er einen Moment still und besah das Spiegelbild der beiden Türme. So ging er weiter bis zu dem kleinen Stadttor, das “Diebsloch” genannt wurde.Er suchte das Brücklein ,das über die Grundelbach führte, als er plötzlich mitten im Bach einen großen Stein sah. Auf ihm saß ein weiß gekleidete Mädchen mit langen schwarzen Haaren. Heiner blieb stehen und schaute das schöne Mädchen an. Es rief ihm winkend zu :”Komm herunter zu mir und leiste mir Gesellschaft. Ich muss dir was erzählen”. Heiner dachte jetzt nicht mehr an seine Bärbel in der Mühle, die auf ihn wartete. Er rutschte den nassen Abhang hinunter, sprang auf den nächsten Stein und wollte zu dem Mädchen. Es saß ruhig da, doch plötzlich schlug am Marktplatz die Rathausuhr Mitternacht. Das Mädchen sprang erschreckt auf und schrie: “O weh, meine arme Seele”. Damit war der Spuk zu Ende und das Mädchen verschwunden. Seiner Bärbel hat er dann nicht davon erzählt!

Hier kannst du die Sage hören

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